Sonntag, 15. April 2018

Ur-Keltin mit Grünwalder Fibel

Die gestern von uns besuchte „Ur-Keltin mit Grünwalder Fibel“ steht ein paar Schritte vom Grünwalder Marktplatz entfernt auf einer kleinen Grünfläche zwischen der Straße „Auf der Eierwiese“ und der Tölzer Straße.

Ur-Keltin mit Grünwalder Fibel

Auf einer kleinen Tafel informiert Hans Waldhauser darüber, daß die Plastik eine Frau „ungefähr 1000 v.Chr.“ darstellen soll und die Plastik von der Vereinigung der Freunde Grünwalds gestiftet und dem in Grünwald lebenden Bildhauer und Maler Matthew David im Jahre 1989 geschaffen wurde.

Grünwalder Fibel

Die Plastik soll an die ersten Siedler in Grünwald erinnern. Die Bronzefibel sei als „Grünwalder Fibel“ ein archäologischer Begriff in ganz Europa geworden. Schließlich verweist Hans Waldhauser auf die Grünwalder Chronik, in der die historische Vergangenheit Grünwalds beschrieben wurde.

Ur-Keltin mit Grünwalder Fibel

Beim Nachsuchen finde ich einen Nachruf von 2009 für Hans Waldhauser. Er war Ehrenbürger und langjähriger Gemeinderat von Grünwald und Vorsitzender der Vereinigung der Freunde Grünwalds. Es gäbe auch keine Ortschronik von Grünwald, hätte „Waldhauser nicht seine ganze Kraft und Leidenschaft in seiner Freizeit dafür aufgebracht.“

Ur-Keltin mit Grünwalder Fibel

Die Grünwalder Fibel soll laut Wikipedia mit weiteren Funden aus der „Urnenfelderzeit (etwa 1000 v.Chr.)“ in der Halle des Grünwalder Rathauses zu sehen sein. Via Internet finde in „Fibel und Fibeltracht“ von Rosemarie Müller eine gute Beschreibung: eine einteilige Drahtbügel-Fibel, bei der Achterschleifen leicht schräg zur Bügelrichtung nebeneinanderliegen. Beide Bügelenden laufen in Spiralscheiben aus. Man möge bei Interesse die Bildersuche anwerfen.

Ur-Keltin mit Grünwalder Fibel

Grünwald kann nicht nur die oben genannte Ehrenbürgerschaft vergeben, um herausragende Verdienste zu würdigen, sondern auch eine orginalgetreu nachgebildete „Grünwalder Fibel in Gold“. Die Vergabe ist ebenfalls recht restriktiv - nur maximal zehn lebende Bürger der Gemeinde dürfen Inhaber der „Grünwalder Fibel in Gold“ sein.

Sonntag, 1. April 2018

Eiszeit- und Jungsteinzeit-Archäologie via „Super-Mediathek“ erleben?

Vor einer Woche wurden zwei schöne neue Archäologie-Filme von Tamara Spitzing im Fernsehen gezeigt, die für uns in der ARD Mediathek „bis 25.03.2028“ verfügbar bleiben sollen. Im ersten Film geht es unter dem Titel „Archäologie erleben - Mission Eiszeit“ um eiszeitliche Hinterlassenschaften von Neandertalern und nachfolgenden modernen Menschen in Deutschland. In „Archäologie erleben - Akte Jungsteinzeit“ schwerpunktmäßig um die Bandkeramiker. Wer meine Blog-Einträge über das Herxheimer Museum mit seinem Leiter Dr. Gramsch oder die experimentalarchäologischen Arbeiten von Anne Reichert interessant fand, kann sich auf ein Wiedersehen mit den beiden freuen.

Ich unterlege jetzt mal sechs Links zu Webseiten zu den beiden Filmen und nehme diese Links bei Gelegenheit wieder raus, wenn die Links ins Nirwana zeigen. Zunächst die Webseiten zu den Filmen „Archäologie erleben - Mission Eiszeit“ und „Archäologie erleben - Akte Jungsteinzeit“ in der ardmediathek.de. Auf den beiden Webseiten findet sich heute (1.4.2018) jeweils das „Verfügbar bis 25.03.2028“ und etwa 20 Wörter Erläuterungstext. Suche ich via dem dortigen Suchfeld „Suche in der ARD Mediathek“ nach Tamara Spitzing, finde ich sowohl sortiert nach Datum als auch nach Relevanz auf der ersten Ergebnisseite keine „Archäologie erleben“-Filme. Ich glaube die Suche versteht überhaupt nicht, was ich finden will. Klickt man auf den Button „Sendungswebsite“ gelangt man zu derzeit 159 Beiträgen „Geschichte & Entdeckungen“ und von da aus via „Homepage der Sendung“ auf die SWR-Seite von „Geschichte & Entdeckungen“. Wie man aus der ARD Mediathek auf Webseiten mit mehr Erläuterungstext zu den beiden „Archäologie erleben“-Filmen kommt, sehe ich nicht.

Solche Webseiten mit mehr Text gibt es aktuell aber schon noch bei ard.de und swr.de. Die sind aber vielleicht nicht bis 2028 verfügbar? Hier die Seiten von „Archäologie erleben - Mission Eiszeit (1/2)“ und „Archäologie erleben - Akte Jungsteinzeit (2/2)“ bei ard.de und hier die von „Archäologie erleben - Mission Eiszeit“ und „Archäologie erleben - Akte Jungsteinzeit“ bei swr.de.

Der längere Erläuterungstext steht auf der ard.de-Webseite unter einem „Details“-Reiter. Klickt man dort stattdessen auf „Wiederholungen“, dann sieht man, daß es in den nächsten 6 Wochen keine Wiederholungen geben soll. Klickt man dort auf „Ähnliche Sendungen“, wird derzeit in beiden „Archäologie erleben“-Fällen „Keine weiteren Sendungen mit genau diesen Schlagworten gefunden.“ angezeigt. Zwar wurden beiden Filmen dieselben Schlagworte zugeordnet, aber vielleicht bezieht sich das Ergebnis auf anstehende Filme im Fernsehen und nicht auf vorhandene Filme in der Mediathek?

Diese zwangsgebührenfinanzierten Online-Auftritte waren für mich jahrelang ein Quell von Frustrationen. Das für mich nie nachvollziehbare Depublizieren setzte allem noch das i-Tüpfelchen obendrauf. Das Depublizieren war in seinen Auswirkungen sicher schlimm, weil viel wertvolles Kulturgut einfach so in die Tonne getreten wurde. Aber mittlerweile sind meine Erwartungen sehr sehr viel geringer geworden. Ich kann mich richtig darüber freuen, wenn ein „Verfügbar bis“ dabeisteht und nicht einfach so gelöscht wird. Und wenn Filme unglaubliche 10 Jahre verfügbar sein sollen, ist das doch richtig toll.

In diese sehr niedrige Erwartungshaltung platzt der BR-Intendant und ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm mit der Idee einer „Super-Mediathek“. Wirklich! Kein Aprilscherz! Die Heise-Meldung ist schon einige Tage alt! Wie Heise weiter schreibt, sei es für Ulrich Wilhelm sogar denkbar, „dass der Axel-Springer-Verlag Inhalte beisteuere.“ Würden dann „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“-Probleme auch bei der Super-Mediathek-Verlinkung entstehen? Und dürfte man seinen Werbeblocker eingeschaltet lassen, wenn man auf die Super-Mediathek zugreift? Und müßte man via seinem Rundfunkbeitrag auch noch ungewollt den Axel-Springer-Verlag finanzieren?

Samstag, 17. März 2018

Bernstorf-Vortrag von Dr. Wunderlich am nächsten Freitag in Freising

Der Archäologische Verein Freising lädt am nächsten Freitag zu einem Vortrag von Dr. Christian-Heinrich Wunderlich über „Die Funde von Bernstorf“ in die Klosterbibliothek am Landratsamt ein. Der Archäologische Verein Freising schreibt dazu auf Facebook: „Auf einigen spektakulären Funden aus der bronzezeitlichen Anlage von Bernstorf (Gde. Kranzberg, Landkreis Freising) lastet seit der Zeit ihrer Entdeckung ein gravierender Fälschungsverdacht. Anlass zu Zweifeln geben neben den Fundumständen stilistische Ungereimtheiten und neuere Erkenntnisse aus naturwissenschaftlichen Untersuchungen. Vor knapp einem Jahr haben die Echtheitsbefürworter einen Band vorgelegt, der diese Zweifel ausräumen sollte. Jene Schrift hat aber nicht zur erhofften Beilegung des Fälschungsverdachts geführt; vielmehr hat sich in der Fachliteratur zum Teil heftiger Widerstand gegen die Annahme der Echtheit der Funde gebildet. Dr. Christian Heinrich Wunderlich (LDA Sachsen-Anhalt) gehört mit Prof. Dr. Pernicka zu den profiliertesten Vertretern der Fälschungsthese. In mehreren vor allem naturwissenschaftlich ausgerichteten Publikationen hat er seine Überzeugung von der Fälschung der Funde untermauert.“

Die Feststellung eines „zum Teil heftigen Widerstands gegen die Annahme der Echtheit der Funde“ halte ich für eine Untertreibung. Man sehe sich mal den Artikel „Zur Herstellungstechnik der Goldfunde von Bernstorf “ von Christian-Heinrich Wunderlich und Karoline Peisker an. Die Abbildung 9 ist nett: „Das Ergebnis von etwa zwei Stunden Arbeit: mithilfe einfacher Haushaltsgegenstände aus Bastelfolie hergestellte Kopie des Strahlendiadems aus Bernstorf.“. Ich zitiere die Zusammenfassung des Artikels: „Gegenstand der Untersuchungen ist die Herstellungstechnik der angeblich bronzezeitlichen Goldfunde von Bernstorf. Es gelang, die Herstellungstechnik weitestgehend zu rekonstruieren und in praktischen Modellversuchen nachzuvollziehen. An den Bernstorfer »Funden« wurden weder historische – gar bronzezeitliche – noch moderne, professionell übliche Goldschmiedetechniken festgestellt. Alles deutet darauf hin, dass die Objekte in jüngerer Zeit von einem kunsthandwerklichen Laien aus industriell vorgefertigten Feingoldblechen geschnitten, gedrückt und gefalzt wurden. Als Werkzeug genügen alltägliche Haushaltsgegenstände. Die Technik ist für jedermann in Minuten erlernbar.“

Dr. Wunderlich widmete sich auch den Bernstorfer Bernsteinfunden, seine Ergebnisse lassen sich in seinen „Studien zur Verwitterung und Fluoreszenz von Succinit ('Baltischer Bernstein')“ nachlesen. Ich zitiere wieder die Zusammenfassung: „Der Verwitterungsprozess von fossilem und archäologischem Bernstein erfolgt unter Einfluss von Wasser. Bei der Verwitterung werden u. a. Esterbindungen verseift. Außerdem verlassen kleinmolekulare, wasserlösliche Verbindungen die Bernsteinmatrix; ein Teil von ihnen fluoresziert. Unverwitterter Bernstein zeigt cyanblaue Fluoreszenz in nahem UV-Licht, die Verwitterungsschichten fluoreszieren nicht. Mithilfe von UV-Untersuchungen können daher an archäologischem Bernstein moderne und historische Beschädigungen identifiziert und voneinander abgegrenzt werden. Es ist auf diese Weise ebenfalls möglich, archäologische Bernsteinfunde eindeutig von modernen Fälschungen zu unterscheiden, wie sie z. B. bei den Bernstorfer »bronzezeitlichen« Funden vorliegen.“

Christian-Heinrich Wunderlich verweist in seinem Bernstein-Artikel auf den Artikel von Kate Verkooijen ( „Report and Catalogue of the Amber found at Bernstorf, near Kranzberg, Freising district, Bavaria, Germany“). Außerdem ist bei allen drei von mir verlinkten Artikeln aus der „Jahreschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte Band 96, 2017“ das hinsichtlich Bernstorf lesenswerte Vorwort von Prof. Harald Meller enthalten. Ich will jetzt aber nicht versuchen nachzuvollziehen, was es zwischenzeitlich an Neuem zum Thema Bernstorf gab. Ich hatte dazu hier schon mehrfach einen Thread des Sucherforums empfohlen. Wer sich interessiert möge sich dort durcharbeiten. Und den aktuellsten Stand der Diskussion kann man dann am nächsten Freitag im Freisinger Vortrag von Dr. Wunderlich mitbekommen.