Sonntag, 12. November 2017

Villa Rustica Enzberg

Die heute vom Autobahndreieck Karlsruhe aus dem Rheintal nach Osten wegführende A8-Strecke durchquert ein Jahrtausende altes Durchgangsgebiet. Für diese A8-Strecke gab es für die aus dem Süden kommenden Reisenden einen antiken Vorgänger: eine wenige Kilometer südlich der heutigen Autobahn bei Ettlingen nach Osten abzweigende Römerstraße, die über das Pforzheim nach Bad Cannstatt führte.

Das Gebiet befand sich nicht sehr lange unter römischer Herrschaft. Dennoch erinnert Pforzheim noch mit seinem Namen an diese Zeit. Es hieß damals „Portus“, und dieser Name soll sich außer auf „Hafen“ auch auf „Furt“, „Landeplatz“ und „Zollstation“ zurückführen lassen. Und die Furt durch die Enz gab es hier tatsächlich.

Villa Rustica Enzberg

Die Furt wird im Bereich der Innenstadt von Pforzheim verortet. In der Nähe befindet sich heute das Pforzheimer Archäologische Museum. Ein Stück enzabwärts kommt man, noch in Pforzheim, am Gasometer vorbei, in dem derzeit das 360° Panorama „ROM 312“ zu sehen ist. Etwa 3 km weiter enzabwärts überquert die A8 bei der Anschlußstelle Pforzheim Ost die Enz. Gegenüber dieser Anschlußstelle wieder etwas über 3 km enzabwärts kann man die hier auf den Bildern gezeigten Überreste der Villa Rustica Enzberg besichtigen. Alles auch für Ortsunkundige gut verbindbar mittels der B10, die sich in diesem Bereich immer in Enz-Nähe hält.

Villa Rustica Enzberg

Wir waren hier im September unterwegs. Sind zunächst von der Autobahnabfahrt auf der B10 in Richtung Villa Rustica Enzberg gefahren. Dann in Gegenrichtung auf der B10 zurück nach Pforzheim. Dort sind wir zum kostenlosen Parkhaus-Parkplatz beim Gasometer abgebogen. Haben das 360° Panorama „ROM 312“ besichtigt und sind dann entlang der Enz und an der früheren Furt vorbei zum Pforzheimer Archäologischen Museum gelaufen. Kurzentschlossene Autobahnabfahrer, die die Tour nachmachen wollen, werden durch die auf Mittwoch und Sonntag beschränkten Museumsöffnungszeiten die größten Probleme haben. Wer mit einer Busladung von Interessenten auf der Anfahrt ist, sollte aber vielleicht gleich die Kontaktaufnahme mit dem Museum ins Auge fassen. Ich schreibe im entsprechen Blog-Eintrag noch mehr dazu.

Villa Rustica Enzberg

Über die Villa Rustica Enzberg gibt es sehr ausführliche und informative Texte auf den Informationstafeln vor Ort. Ich will jetzt nicht versuchen die wiedergeben, sondern auf den Historisch-Archäologischen Verein Mühlacker verweisen, der im September 1999 „anlässlich der drohenden Überbauung des gerade freigelegten römischen Gutshofes in Enzberg gegründet wurde“. Ein Link funktioniert auf der Website des Vereins funktioniert nicht mehr so wie gedacht, man kann da mal via Suchmaschine nach der Villa Rustica Enzberg suchen und findet dann zwei Seiten auf muehlacker.de.

Villa Rustica Enzberg

Einen Blick auf die Villa von oben liefert Vici.org. Da sind auch einige weitere in der Nähe liegende Villa Rusticas markiert. Vici.org verlinkt auf das Stadtwiki Pforzheim-Enz, das ich hier ebenfalls für weitere Informationen über die lokalen Römer empfehlen will. Hier noch die Geo-Koordinaten in einer Form, bei der man sich die gewohnte Online-Karte aussuchen kann.

Villa Rustica Enzberg

Wie aus den Informationen im Netz hervorgeht, sind nur Teile der früheren zur Villa gehörenden Gebäudegrundrisse konserviert, der Gesamtkomplex war als noch deutlich beeindruckender. Die Villa Rustica Enzberg war schon sehr mondän und zeigt, was in der relativ kurzen Herrschaftszeit der Römer über dieses Gebiet an Infrastruktur erbaut werden konnte. In dieser Zeit muß die Villa aber schon statische Probleme durch den Berg in ihrem Rücken gehabt haben. Beim Herumlaufen hat sich mir immer mehr die Erinnerung an die Villa Romana del Casale aufgedrängt. Die war natürlich noch wesentlich mondäner als die Villa Rustica Enzberg, ist aber hinsichtlich der Lage mit Berg im Rücken vergleichbar.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Hotzenweg und Hermannsschlachten

Am Montag wurde ich von Hiltibold aus Graz auf zwei Hörsendungen des SWR hingewiesen.

Ich will beide gleich weiterempfehlen. Im einen Fall geht es um eine vermutete prähistorische Wegverbindung zwischen Hochrhein und Donauquellen. Ich weiß nicht wie fundiert die Sache ist. Aber da bei mir alte Römerstraßen und Keltenschanzen ein prominentes Thema sind, rechne ich mit einem entsprechend interessierten Publikum. Vielleicht ist jemand aus der Gegend oder kommt da mal hin.

Die Sendung hat den Titel „Kelten im Schwarzwald: Der Hotzenweg“. Es gibt dazu schon ein Buch und hoffentlich noch ein Projekt von Dr. Roland Weiss. Auf seiner Website finden sich einige Fotos und die Aufforderung „Ortskundig? Kennen Sie selbst entlang der nebenstehend skizzierten Route interessante und rätselhafte Plätze? Das können Steinbauten sein, Geländemarken, Ortsnamen, Höhlen etc. Gerne dürfen Sie mir diese Stellen zeigen. Anruf genügt und wir vereinbaren einen Ortstermin.“

In der zweiten Sendung diskutieren Dr. Rudolf Aßkamp, Dr. Stefan Burmeister und Prof. Dr. Reinhard Wolters eine knappe Dreiviertelstunde lang unter dem Titel „Sieglos an der Elbe: Roms Tragödie in Germanien“ über die von Rom aufgegebene Eroberung Germaniens.

Den Rahmen der Diskussion hat Prof. Dr. Reinhard Wolters schon zu Zeiten des 2000jährigen Jubiläums der Varusniederlage in seinem Buch „Die Schlacht im Teutoburger Wald: Arminius, Varus und das römische Germanien“ gespannt, ich zitiere mal aus meiner damaligen Besprechung:

„Arminius, der Befreier Germaniens — das stammt aus den 'Annalen' des Tacitus, die Tacitus 20 Jahre nach seiner 'Germania' geschrieben hat, wo er einen Befreier Arminius noch nicht erwähnt. Wolters erklärt dies mit der anfänglichen Hoffnung von Tacitus auf eine Wiedereroberung Germaniens, die er zur Zeit der 'Annalen' aufgegeben hatte. Die Schlacht im Teutoburger Wald also nicht als allein entscheidendes Ereignis, sondern als gelungener Einstand, dem weitere Kämpfe gegen Arminius und die Cherusker sowie gegen die anderen beteiligten Stämme folgten, deren Ergebnisse auch lange über den Tod von Arminius hinaus Rom keine Perspektiven mehr für eine Herrschaft über Germanien boten.“

In der sehr interessanten Diskussion geht es um Sichtweisen und Erkenntnisse. Offenbar fehlen derzeit wissenschaftliche Erkenntnisse um sicher festzustellen, ob bestimmte wichtige archäologische Funde von den Legionen des Varus oder denen des Germanicus stammen. Anderseits scheinen sich Sichtweisen zu ändern, etwa daß man sich mittlerweile zeitlich aufeinanderfolgende Belegungen bestimmter Römerlager vorstellen kann.

Interessenten mögen jetzt nicht über meine kryptische Formulierung rätseln, sondern sich die Diskussion anhören und danach den aktuell frei zugänglichen Text von Harff-Peter Schönherr „Pinkeln an die Siegessäule“ in der taz ergoogeln. Den direkten Link lasse ich wieder wegen dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger aus. Der taz-Artikel informiert recht hintergründig über Kalkrieser Verhältnisse. Und passt bestens zur SWR-Diskussionssendung, die für diesen speziellen lokalen Aspekt den Hintergrund liefert. Warum die im taz-Artikel erwähnte „Pontes-Longi-Hypothese“ möglich sein kann ist so bspw. bestens zu verstehen.

Als i-Tüpfelchen zum taz-Artikel mag man sich dann noch die heutige Pressemitteilung „Forschungen in Kalkriese - Kooperationsvertrag bis 2029 geschlossen“ ansehen, in der der „Aufsichtsratsvorsitzende der Varusschlacht im Osnabrücker Land“, Landrat Dr. Michael Lübbersmann, mit den Worten zitiert wird: „Seit nunmehr drei Jahrzehnten wird hier nicht nur Geschichte ausgegraben, sondern auch Geschichte geschrieben“.

Nebenbei noch bemerkt: den Titel der Diskussionssendung „Roms Tragödie in Germanien“ finde ich schlecht. Tragisch waren die römischen Unternehmungen sicher für die unzähligen betroffenen Menschen. Rom hingegen konnte den Triumph des Germanicus in diesen Jahren sicher noch gut mit Ausplünderungen anderer Orte finanzieren und dürfte in diesen Kategorien auch funktioniert haben. Und daß man sich vor Jahren so auf den Begriff „Varusschlacht“ eingeschossen hat, finde ich auch nicht so toll. Einerseits soll Varus ja ziemlich spät erst mitbekommen haben, daß er sich in „seiner“ Schlacht befindet. Zigtausende Germanen wußten das schon vor ihm. Anderseits setzt die Bezeichnung den Fokus genau auf diese eine Schlacht, die doch nur der gelungene Einstand zum späteren Ausstand war. Die Frage, wie Arminius mit seinen Gefolgsleuten viele Jahre Widerstand leisten konnte, bleibt außen vor.

Samstag, 21. Oktober 2017

Auf der Keltenschanze Buchendorf mittags um halb eins

Vorgestern mittag war ich um halb eins tatsächlich auf den Wällen der Keltenschanze Buchendorf und wollte das wegen dem gestern noch feststellbaren „aktuell schönen Wetter“ auch schnell rausdrücken. Vielleicht hätte es die eine oder den anderen inspiriert selbst rauszugehen. Aber heute morgen höre ich Regen vor dem Fenster. Nach der Wettervorhersage sieht es wenigstens nur durchwachsen für das Wochenende aus.

Keltenschanze Buchendorf

Ich bin vorgestern wie bei der „Achterlacke und Königseichen im Forstenrieder Park“-Tour über Fürstenried West und die Maxhofstraße angefahren. Dann weiter bis zur Kreuzung mit dem Waldweg auf der Trasse der ehemaligen Römerstraße nahe dem Eichelgarten. Auf dem Waldweg weiter in Richtung Buchendorf und dort via der im gestrigen Blogeintrag beschriebenen „Via Julia“-Streckenführung durch Buchendorf durch bis zum Ortsausgang in Richtung Neuried. Von dort dann via Keltenschanze und Pfad entlang eines Ackers auf den Rückweg.

Keltenschanze Buchendorf

Zum Vergleich mit den Fotos von vorgestern mein Blogeintrag über die Keltenschanze Buchendorf von 2013. Der Schild mit dem Hund fehlt, die schon lange veraltete Infotafel gibt es immer noch.

Keltenschanze Buchendorf

Das Hundeschild vor der Keltenschanze fand ich damals orginell. Allerdings waren dieses Mal während meines kurzen Besuchs im Bereich der Keltenschanze zwei Frauen mit drei Hunden unterwegs, da kann also schon etwas zusammenkommen. Ich habe auch mal bei einem früheren Besuch der Keltenschanze unabsichtlich zwei Frauen aufgescheucht, die vor und in der Schanze im Gras gelegen und gelesen haben. Ein längeres Verweilen an diesem Ort sollte schon berücksichtigt werden. Aktuell war die Keltenschanze frisch gemäht und sah schön gepflegt aus. Beim Fahrradparken vor der Keltenschanze habe ich aber eine unerklärliche Häufung von gebrauchten Papiertaschentüchern gesehen. Scheint da wieder ein Schild notwendig zu werden?

Keltenschanze Buchendorf

Über Keltenschanzen im allgemeinen habe ich in dem oben verlinkten Blogeintrag mehr zusammengetragen. Zur lokalen Keltenschanze kann man mal die Phantasie spielen lassen und die Sache aus der Ponderosa-Perspektive sehen. Also auch mit dem latenten Wasserproblemen mit dem sich die Cartwrights und andere Farmer auseinanderzusetzen hatten. Hier war die Situation goldig. Es ist von der Entfernung her gut vorstellbar, daß Herden von den großen Flächen hier oben zur Tränke hinunter an die Würm geführt wurden. In der Keltenschanze mag dann nicht nur wie bei den Cartwrights eine Familie mit viel Landbesitz gewohnt haben. Sie hat vielleicht auch die weltliche und sakrale Macht über die lokale Bevölkerung gehabt. So eine Unterscheidung wird aber vermutlich in einer eisenzeitlichen Sklavenhaltergesellschaft für die meisten Leute nicht so besonders relevant gewesen sein.

Keltenschanze Buchendorf

Wie in „Römerstraße bei Buchendorf“ geschrieben, führte die römerzeitliche Straße direkt an der Keltenschanze vorbei. Bei dieser Streckenführung ist anzunehmen, daß die Keltenschanze in das spätere römerzeitliche Leben eingebunden war. Ein vergleichbares Beispiel bietet die Perlacher Keltenschanze, neben der sich laut Bayerischem Denkmal-Atlas eine „Siedlung mit Mühlen und Werkplatz der mittleren und späten römischen Kaiserzeit“ befunden haben soll.

Keltenschanze Buchendorf

Keltenschanzen müssen ein vertrautes Phänomen gewesen sein. Wenn auch keines, das von den römerzeitlichen Eliten angestrebt wurde. Ich glaube, man hat römerzeitliche Bauten in Keltenschanzen gefunden, also es gibt archäologisch belegte Nachnutzungen. Aber man fand meines Wissens nach nie eine Villa Rustica im Keltenschanzenstil. Ob man zur Römerzeit überhaupt noch wußte, warum die Kelten einmal die Keltenschanzen über ein großes räumliches Gebiet verteilt weitgehend gleichartig gebaut hatten?