Samstag, 21. Oktober 2017

Auf der Keltenschanze Buchendorf mittags um halb eins

Vorgestern mittag war ich um halb eins tatsächlich auf den Wällen der Keltenschanze Buchendorf und wollte das wegen dem gestern noch feststellbaren „aktuell schönen Wetter“ auch schnell rausdrücken. Vielleicht hätte es die eine oder den anderen inspiriert selbst rauszugehen. Aber heute morgen höre ich Regen vor dem Fenster. Nach der Wettervorhersage sieht es wenigstens nur durchwachsen für das Wochenende aus.

Keltenschanze Buchendorf

Ich bin vorgestern wie bei der „Achterlacke und Königseichen im Forstenrieder Park“-Tour über Fürstenried West und die Maxhofstraße angefahren. Dann weiter bis zur Kreuzung mit dem Waldweg auf der Trasse der ehemaligen Römerstraße nahe dem Eichelgarten. Auf dem Waldweg weiter in Richtung Buchendorf und dort via der im gestrigen Blogeintrag beschriebenen „Via Julia“-Streckenführung durch Buchendorf durch bis zum Ortsausgang in Richtung Neuried. Von dort dann via Keltenschanze und Pfad entlang eines Ackers auf den Rückweg.

Keltenschanze Buchendorf

Zum Vergleich mit den Fotos von vorgestern mein Blogeintrag über die Keltenschanze Buchendorf von 2013. Der Schild mit dem Hund fehlt, die schon lange veraltete Infotafel gibt es immer noch.

Keltenschanze Buchendorf

Das Hundeschild vor der Keltenschanze fand ich damals orginell. Allerdings waren dieses Mal während meines kurzen Besuchs im Bereich der Keltenschanze zwei Frauen mit drei Hunden unterwegs, da kann also schon etwas zusammenkommen. Ich habe auch mal bei einem früheren Besuch der Keltenschanze unabsichtlich zwei Frauen aufgescheucht, die vor und in der Schanze im Gras gelegen und gelesen haben. Aktuell war die Keltenschanze frisch gemäht und sah schön gepflegt aus. Beim Fahrradparken vor der Keltenschanze habe ich aber eine unerklärliche Häufung von gebrauchten Papiertaschentüchern gesehen. Scheint da wieder ein Schild notwendig zu werden?

Keltenschanze Buchendorf

Über Keltenschanzen im allgemeinen habe ich in dem oben verlinkten Blogeintrag mehr zusammengetragen. Zur lokalen Keltenschanze kann man mal die Phantasie spielen lassen und die Sache aus der Ponderosa-Perspektive sehen. Also auch mit dem latenten Wasserproblemen mit dem sich die Cartwrights und andere Farmer auseinanderzusetzen hatten. Hier war die Situation goldig. Es ist vorstellbar, daß Herden von den großen Flächen hier oben zur Tränke an die Würm geführt wurden. In der Keltenschanze mag dann nicht nur wie bei den Cartwrights eine Familie mit viel Landbesitz gewohnt haben. Sie hat vielleicht auch die weltliche und sakrale Macht über die lokale Bevölkerung gehabt. So eine Unterscheidung wird aber vermutlich in einer eisenzeitlichen Sklavenhaltergesellschaft für die meisten Leute nicht so besonders relevant gewesen sein.

Keltenschanze Buchendorf

Wie in „Römerstraße bei Buchendorf“ geschrieben, führte die römerzeitliche Straße direkt an der Keltenschanze vorbei. Bei dieser Streckenführung ist anzunehmen, daß die Keltenschanze in das spätere römerzeitliche Leben eingebunden war. Ein vergleichbares Beispiel bietet die Perlacher Keltenschanze, neben der sich laut Bayerischem Denkmal-Atlas eine „Siedlung mit Mühlen und Werkplatz der mittleren und späten römischen Kaiserzeit“ befunden haben soll.

Keltenschanze Buchendorf

Keltenschanzen müssen ein vertrautes Phänomen gewesen sein. Wenn auch keines, das von den römerzeitlichen Eliten angestrebt wurde. Ich glaube, man hat römerzeitliche Bauten in Keltenschanzen gefunden, also eine Nachnutzung. Aber keine Villa Rustica im Keltenschanzenstil. Ob man zur Römerzeit noch wußte, warum die Kelten einmal die Keltenschanzen über ein großes räumliches Gebiet verteilt weitgehend gleichartig gebaut hatten?

Freitag, 20. Oktober 2017

Römerstraße bei Buchendorf

In Buchendorf war ich schon länger nicht mehr. Das aktuell schöne Wetter lud dazu ein nachzusehen, was sich zwischenzeitlich bei der ehemaligen Römerstraße und der Buchendorfer Keltenschanze getan hat.

Römerstraße bei Buchendorf

Den Verlauf der Römerstraße versucht man vielleicht am besten via Bayerischem Denkmal-Atlas nachzuvollziehen. Die Straße kam von Südosten - wenn man sich am heutigen vom Eichelgarten kommenden Weg orientiert kann man da nichts falsch machen. Allerdings bricht dieser Weg kurz vor der Keltenschanze ab. Da gibt es nur einen inoffiziellen Pfad an einem Acker entlang. Die Römerstraße führte früher hin zur Keltenschanze und dort entweder direkt oder ein paar Meter entfernt vorbei - da bietet der Denkmal-Atlas aktuell zwei Alternativrouten an.

Beide Alternativstrecken finden dann wieder am Ortsausgang Buchendorfs in Richtung Neuried auf dem in Bild 1 zu sehenden Feldweg zueinander. Der Feldweg führt weiter nach Gauting.

Römerstraße bei Buchendorf

Es ist wieder der Unterschied zwischen der Römerstraße und dem an der Römerstraße orientierten Radwanderweg „Via Julia“ zu erwähnen. Die Streckenführung der Via Julia weicht manchmal sehr unschön von der alten Römerstraße ab. Im Fall Buchendorf muß sie wegen dem fehlenden offiziellen Zwischenteil zur Keltenschanze auch abweichen, das ist aber zu verschmerzen. Die Streckenführung der Via Julia verläuft durch Buchendorf bis zu der Stelle im Bild und dann auf dem Feldweg weiter. Langstreckenradler mögen sich freuen auch etwas von Buchendorf gesehen zu haben, sie dürfen halt den kurzen Abstecher zur Keltenschanze nicht vergessen.

Römerstraße bei Buchendorf

Von der Stelle am Ortseingang von Buchendorf gibt es ein Foto von 2009 im Blogeintrag „Buchendorf am Vatertag“ . Die wesentliche Veränderung scheint mir die in die Sonne gestellte Sitzbank zu sein.

Samstag, 9. September 2017

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Dieser Blog-Eintrag gehört zu einer mit „Der Georgensteinblick“ begonnenen kleinen Serie. Die wurde fortgesetzt mit „Georgensteinblick II“. Und in „Allenthalben versunkene Städte“ gibt es auch ein paar Bemerkungen zu diesem engen geografischen Bereich.

Informationstafel: Verlauf der Römerstraße durch die Isarschlucht

Die jetzt verwendeten Fotos sind vom Mai. Ich wollte eigentlich erst noch zusätzliche Fotos vom Bereich unterhalb der ehemaligen Römerstraße machen, daraus wurde aber bislang nichts. Also vermittle ich so mal einen Eindruck, damit es mit der Sache weitergeht. Der 4. Brillenschaftag im Burghof Grünwald steht ja auch am 7. Oktober an und vielleicht will jemand die Gelegenheit nutzen und sich die Römerstraße genauer ansehen.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

„Römerstraßenaufstieg“ versus „unterhalb der ehemaligen Römerstraße“, da fehlt also noch was. Der obere Teil des Aufstiegs gilt sowohl nach der abfotografierten Informationstafel als auch dem Bayerischen Denkmal-Atlas als Teil der ehemaligen Römerstraße. Im unteren Teil entspricht die durchgezogene Linie über die Isar auf der Informationstafel aber nicht dem Bayerischen Denkmal-Atlas, der läßt hier eine Lücke. Zudem verwirrte der Bayerische Denkmal-Atlas durch eine „Brücke der römischen Kaiserzeit“ ein Stück flußabwärts (Denkmal D-1-7935-0005). Die Brücke war beim Start meiner kleinen Serie noch vorhanden, mittlerweile sehe ich sie nicht mehr im Bayerischen Denkmal-Atlas eingezeichnet. Aber bei Vici.org kann man sich die Lage der Brücke derzeit noch ansehen. Wenn die Brückenerkenntnis nicht mittlerweile revidiert wurde, wäre es also denkbar, daß die Römerstraße von der östlichen Seite nicht so wie auf der Informationstafel gezeigt direkt herüber über die Isar geführt hat. Die Straße könnte stattdessen zunächst unterhalb der dort befindlichen Römerschanze der Isar bis zu dieser Brücke gefolgt sein.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Geht man diesen oberen Teil der ehemaligen Römerstraße auf der westlichen Isarseite hinunter, dann kommt man schnell auf einen wirklich alt aussehenden Hohlweg. Aber dieser Hohlweg endet ein Stück oberhalb der Isar. Man trifft auf den Isar-nähesten öffentlichen Weg der westlich der Isar parallel zur Isar verläuft. Im Grunde sieht ab hier alles nicht mehr alt sondern überarbeitet aus. Weiter unten befindet sich der Isar-Kanal, für den sicher umfangreiche Erdarbeiten vorgenommen wurden. Den Abzweig vom Isar-Parallelwegs zur Römerstraße zeigen Bild 9 und Bild 10. Der Parallelweg führt dann zwar schnell weiter hinunter bis fast auf Isar-Höhe. Diese Strecke passt auch zur roten Linie auf der Tafel. Aber der Weg ist kein Hohlweg mehr. Also von diesem Augenschein her könnte ab dem überarbeiteten Bereich auch alles anders gewesen und die Römerstraße ein Biegung hin zu der mysteriösen Brücke gemacht haben. Allerdings ergäbe das schon eine recht große Schleife, die aber möglicherweise durch Gründe wie die Talverbreiterung und eine dadurch weniger reißende Isar in Kauf genommen wurde.

Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein
Westlicher Römerstraßenaufstieg beim Georgenstein

Daß der Bayerische Denkmal-Atlas im Kanalbereich keine genaueren Angaben macht, muß nicht bedeuten, daß hier keine archäologischen Erkenntnisse über den Verlauf der Römerstraße gewonnen wurden. Nach meiner Vorstellung ist der Bayerische Denkmal-Atlas nämlich kein Informationssystem in der Art, daß er uns mitteilen will, daß an einem bestimmten Ort irgendwann einmal ein bronzezeitlicher Grabhügel stand. Der Bayerische Denkmalatlas zeigt aktuell vermutete Grabhügel an, so flach die auch mittlerweile sein mögen. Wenn die Fläche aber archäologisch ausgeräumt und überbaut ist, dann verschwindet auch der Grabhügel im Bayerischen Denkmal-Atlas. Nach dieser Logik mag die fehlende Information im Kanalbereich einfach bedeuten, daß niemand mehr glaubt, daß hier noch archäologisch etwas zu holen ist.

Isar-Stauwehr bei Buchenhain/Baierbrunn

Der Einstieg von oben in den Hohlweg wird durch die Informationstafel in Bild 1 markiert. Man kann die Stelle via diesem Link auf einer Karte seiner Wahl ansehen. Im Bereich oberhalb des Isarkanals stößt der Weg wie gesagt auf den westlichen Parallelweg zur Isar. Dort sind zeitweise zahlreich Spaziergänger, Jogger, Wanderer und Radler unterwegs, deren ganz andere Ziele sich gut mit einem kurzen Blick in diesen uralten Hohlweg verbinden ließen.